GG Artikel 1: Die Würde des MENSCHEN ist unantastbar.

Reproduktionsfehler

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Ansichten zum Kindergroßziehen

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  Der neue PISA-Schock ist da!

07.12.2023 - „Deutsche Schüler schneiden so schlecht ab wie nie“ meldet die Tagesschau am 5.12.23. Und ja, es stimmt, wenn man sich die ersten Grafiken des OECD-PISA-Berichts für Deutschland ansieht: die Leistungen sind seit dem letzten PISA-Bericht im Fach Mathematik, im Fachbereich Naturwissenschaften und in der Lesefähigkeit nochmals signifikant gesunken. Deutschland ist nun im OECD-Mittelfeld, wenn Sie so wollen in der Mittelmäßigkeit, angekommen.
Die Corona-Pandemie wird dafür vielerorten verantwortlich gemacht. Aber die Pandemie hat auch in den Ländern gewütet, die besser dastehen als die Bundesrepublik.
Weiterhin wird die steigende Migration als Erklärung herangezogen. Und offensichtlich liegt hier auch ein bedeutender Erklärungsansatz. Wie jeder Lehrer weiß, bedarf es ungeheurer Anstrengungen, ein Flüchtlingskind ohne Deutschkenntnisse und aus einem anderen, meist noch schwächeren Bildungssystem zu integrieren. Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund ist mittlerweile auf 26% der Bevölkerung gestiegen, der Prozentsatz bei den Schulpflichtigen beläuft sich sogar auf 39%. Damit ist die Migration eine der großen Herausforderungen für unsere Gesellschaft und eben auch für unser Schulsystem.
Jede Herausforderung bietet aber auch eine Chance. Wie wir den Statistiken des Bundesamtes (Destatis) entnehmen können, verjüngen Menschen mit Migrationshintergrund unsere Gesellschaft deutlich (s.S. 35 - Alterdurchschnitt von Menschen ohne Migrationshintergrund 47,3 Jahre, mit Migrationshintergrund 35,6 Jahre).
Und das Märchen, dass Menschen mit Migrationshintergrund unsere Sozialsysteme ausbeuten, wie es die AFD immer wieder als Horrorzenario ausmalt, stimmt eben pauschal auch nicht. Der Anteil der Erwerbstätigen ist bei den Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund gleich groß (s.S.38 Abb. 5). Weil sie im Durchschnitt mehr Kinder haben als deutschstämmige, ist der Anteil derer, die von ihren Familien unterstützt werden, knapp doppelt so hoch. Und erstaunlicherweise liegt der Anteil derer, die die Sozialkassen belasten, nur bei 26% im Vergleich zu 35% bei den deutschstämmigen.
Natürlich wäre es schön, wenn aus Portugal oder Brasilien nur perfekt für unsere Arbeitsmarktbedürfnisse ausgebildete Menschen zu uns kämen, aber wäre das fair diesen Ländern gegenüber?
Wir investieren ja auch in die eigene Jugend, in der Hoffnung, dass sie irgendwann mal für unsere Renten sorgt. Also warum betrachten wir es nicht als Chance, die 39% Schüler mit Migrationshintergrund (s.S. 41) so auszubilden, dass sie einen guten Beitrag zu unserem Gesellschaftssystem leisten können und – ganz wichtig – auch wollen! Wenn wir ihnen weiterhin den Eindruck vermitteln, dass sie uns nur zur Last fallen, was ja anhand der oben genannten Zahlen definitiv nicht stimmt, dann machen wir wirklich alles falsch!
Ja, und wenn wir PISA ernst nehmen, dann müssen wir uns eingestehen, dass wir diese einmalige Chance, junge Menschen, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, so zu bilden und auszubilden, dass sie später einmal ihren eigenen wertvollen Beitrag zu ihrer bzw. unserer Gesellschaft beisteuern können, seit Jahren schändlich vertun.
Dazu bedarf es höherer, viel höherer Investitionen in unser Bildungssystem. Dazu braucht es mehr Lehrer. Dazu bedarf es einer Entlastung der Lehrer von unnötigen Aufgaben und einer Konzentration auf Bildung. Und mit Bildung meine ich, um das nochmals klarzustellen, eine humanistische, eine gesellschaftsfördernde Bildung im Sinne von Menschwerdung. Ein verkürzter Bildungsbegriff im Sinne von Arbeitsmarktreife, wie er heute vorherrscht, greift leider deutlich zu kurz und wird uns langfristig nicht weiter bringen.


Bucheinband


Das klingt für Sie sehr theoretisch? Dann wird es Zeit „Reproduktionsfehler – Ansichten über das Kindergroßziehen“ zu lesen. In meinem Roman habe ich das, was heute in Schulen abläuft, so beschrieben, dass es für Sie erlebbar wird. Wenn Sie sich in die Hauptfigur Jennifer Hassel-Meyer einfühlen können, dann wächst womöglich auch Ihr Verständnis, dass Schulen nicht alle Erwartungen der Gesellschaft erfüllen können und manche auch nicht erfüllen sollten.

  Das Erstlingswerk von CePe Wirth

Die Protagonistin des Romans, Jennifer Hassel-Meyer, ist Mutter dreier Kinder und lebt in der fiktiven Kleinstadt Wermelsburg im Oberbergischen Kreis, nahe Köln. Jennifer lässt uns über ein Jahr hinweg an ihrem Leben und ihrem Alltag teilhaben. Einen großen Platz nimmt darin natürlich die Kindererziehung ein. Ihr Jüngster ist gerade einmal 2 Jahre alt und besucht eine Kindertagesstätte, für ihre Tochter Melinda muss sie den Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule managen und ihr Ältester, Caspar, steckt mitten in der Pubertät und tut sich schwer am Gymnasium. Zudem ist ihr Mann Carl-Michael keine große Stütze, da er sich voll auf seine Tätigkeit als Sozius einer Anwaltskanzlei konzentriert.
Ihnen als Leserinnen und Lesern werden die Probleme, mit denen sich Jennifer tagtäglich herumschlagen muss, bekannt vorkommen. Sie haben vielleicht dieselbe Perspektive und fühlen sich in Ihrem Denken bestätigt. Aber es gibt auch immer eine andere Sicht, eine Gegenmeinung, die von anderen Eltern, von Erziehern und Lehrern, von Schulleitern und Politikern geäußert wird. So ergibt sich am Ende ein buntes Spektrum an Ansichten, wie das Kindergroßziehen am besten zu bewerkstelligen sei.
Leider kann man nur vom Ergebnis her beurteilen, wie erfolgreich die Einflussnahme der Erziehenden auf die Zöglinge war. Und im Falle von Jennifer und ihren Kindern hat man doch zum Schluss das Gefühl, dass nicht alle Erziehungsentscheidungen zum Gelingen beigetragen haben.
Der Soziologe versteht unter Reproduktion, dass bestehende soziale und ökonomische Verhältnisse aufrecht erhalten werden. Ob das durch eine Generation, zu der Familie Meyers Kinder zählen, gewährleistet wird, kann bezweifelt werden. Man kann sich also mit Fug und Recht fragen, ob hier ein Reproduktionsfehler vorliegt.



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